Die Hüftdysplasie ist die häufigste angeborene Fehlbildung des Bewegungsapparates. Etwa zwei bis drei von hundert Neugeborenen sind betroffen. Die gute Nachricht vorweg: Bei frühzeitiger Erkennung lässt sich die Hüftdysplasie in den allermeisten Fällen erfolgreich und ohne Operation behandeln.

Was ist eine Hüftdysplasie?

Bei einer Hüftdysplasie ist die Hüftgelenkpfanne nicht ausreichend ausgebildet, sodass der Hüftkopf nicht stabil in der Pfanne gehalten wird. Man kann sich das vorstellen wie eine Kugel, die in einer zu flachen Schale liegt – sie hat zu wenig Halt. Im schlimmsten Fall kann der Hüftkopf aus der Pfanne herausrutschen (Hüftluxation).

Wie wird die Hüftdysplasie erkannt?

Dank des Hüftultraschall-Screenings nach Professor Graf, das in Deutschland routinemäßig bei der U3 durchgeführt wird, können wir die Hüftdysplasie heute sehr früh erkennen – noch bevor das Kind Beschwerden entwickelt.

Zusätzliche Hinweise können sein:

Risikofaktoren

Wie wird die Hüftdysplasie behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad und dem Alter des Kindes:

Leichte Reifungsverzögerung (Typ IIa nach Graf)

Oft reichen regelmäßige Kontrolluntersuchungen und eine breite Wickeltechnik oder das Tragen im Tragetuch aus. In vielen Fällen reift die Hüfte in den ersten Lebenswochen von selbst nach. In einigen Fällen ist auch hier eine Spreizhosenbehandlung sinnvoll.

Mäßige Dysplasie (Typ IIc/D nach Graf)

Hier kommt in der Regel eine Spreizhose (z.B. Tübinger Hüftbeugschiene) zum Einsatz. Das Kind trägt die Schiene für mehrere Wochen, wobei regelmäßige Ultraschallkontrollen den Therapiefortschritt überwachen.

Schwere Dysplasie oder Luxation (Typ III/IV nach Graf)

In diesen Fällen kann eine Gipsbehandlung oder in seltenen Fällen eine operative Korrektur notwendig sein. Hierfür arbeite ich eng mit spezialisierten Kliniken zusammen.

Was können Eltern tun?

Prognose: Bei rechtzeitiger Diagnose und konsequenter Behandlung haben Kinder mit Hüftdysplasie hervorragende Aussichten auf eine völlig normale Hüftentwicklung. Je früher die Behandlung beginnt, desto kürzer und unkomplizierter ist sie in der Regel.

Häufige Fragen von Eltern

Muss mein Baby bei Hüftdysplasie operiert werden?
In den allermeisten Fällen nicht. Wird die Hüftdysplasie früh erkannt – idealerweise bei der U3-Vorsorge mit dem Hüftultraschall – reicht meist eine konservative Behandlung mit Spreizhose oder Schiene aus. In manchen Fällen kann auch eine Gipsbehandlung erforderlich sein. Operative Eingriffe sind nur bei sehr schweren oder spät erkannten Formen notwendig. Genau deshalb ist die frühe Diagnostik so entscheidend.
Wie lange muss mein Kind die Spreizhose tragen?
Die Behandlungsdauer hängt vom Schweregrad, Alter und Zeitpunkt der Diagnosestellung ab. Bei einer mäßigen Dysplasie liegt sie meist zwischen sechs und zwölf Wochen, bei leichteren Formen oft kürzer. Regelmäßige Ultraschallkontrollen zeigen, wie gut die Hüfte nachreift – sobald die Werte im Normalbereich sind, kann die Schiene abtrainiert werden.
Kann mein Baby mit Spreizhose schlafen und gewickelt werden?
Ja. Die Spreizhose wird in der Regel rund um die Uhr getragen, auch nachts. Wickeln, Tragen, Stillen und Baden funktionieren mit etwas Übung gut. Viele Babys gewöhnen sich innerhalb weniger Tage an die Schiene. Bei Hautrötungen oder Druckstellen melden Sie sich bitte zeitnah in der Praxis.
Kann eine Hüftdysplasie auch ohne Behandlung von selbst ausheilen?
Bei sehr leichten Reifungsverzögerungen reicht oft Beobachten, breites Wickeln und Tragen im Tragetuch. Mittlere und schwere Formen heilen jedoch nicht von allein – ohne Behandlung droht eine bleibende Fehlstellung mit späteren Hüftproblemen. Welche Behandlung für ihr Kind passend ist, entscheidet sich immer individuell.
Hat mein Kind später noch Probleme mit der Hüfte?
Bei rechtzeitiger Diagnose und konsequenter Behandlung entwickeln sich die Hüftgelenke in der Regel völlig normal. Schwere Dysplasieformen und Patienten mit einer genetischen Vorbelastung bedürfen einer besonderen Aufmerksamkeit. Wichtig sind in allen Fällen weitere Nachkontrollen im Wachstumsalter, um eventuelle Restdysplasien rechtzeitig zu erkennen.

Wie kann ich behilflich sein?

Praxis OrthoKind · Andrea van Wasen · Bredeneyer Straße 122, 45133 Essen