Die Skoliose ist eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule mit gleichzeitiger Verdrehung (Rotation) der Wirbelkörper. Sie tritt am häufigsten während des Wachstums im Kindes- und Jugendalter auf – besonders in der Phase des pubertären Wachstumsschubs.
Was ist eine Skoliose?
Bei einer Skoliose weicht die Wirbelsäule von ihrer geraden Achse ab und bildet eine oder mehrere seitliche Krümmungen. Gleichzeitig drehen sich die einzelnen Wirbelkörper, was zu einer sichtbaren Asymmetrie des Rumpfes führen kann. In den meisten Fällen (ca. 80%) ist die Ursache unbekannt – man spricht dann von einer idiopathischen Skoliose.
Woran erkennen Eltern eine Skoliose?
Folgende Anzeichen können auf eine Skoliose hinweisen:
- Unterschiedlich hohe Schultern
- Ein schiefes Becken
- Asymmetrie der Taille (eine Seite tiefer eingeschnitten)
- Einseitiger Rippenbuckel (besonders sichtbar beim Vornüberbeugen)
- Schiefe Kopfhaltung
- Kleidung, die schief sitzt
Der einfachste Test für zu Hause
Bitten Sie Ihr Kind, sich mit hängenden Armen langsam nach vorne zu beugen. Wenn dabei auf einer Seite ein Rippenbuckel oder ein Lendenwulst sichtbar wird, sollte eine kinderorthopädische Untersuchung erfolgen.
Wie wird die Skoliose diagnostiziert?
In meiner Praxis beginne ich mit einer gründlichen körperlichen Untersuchung. Dazu gehören die Beurteilung der Haltung, der Adams-Test (Vorneigungstest) und die Messung der Wirbelsäulenabweichung. Bei Bedarf können strahlungsarme bildgebende Verfahren wie die Lichtvermessung der Wirbelsäule (Rasterstereographie) oder eine Röntgen-Wirbelsäulenganzaufnahme die Diagnose sichern und den Schweregrad (Cobb-Winkel) bestimmen.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Leichte Skoliose (unter 20° Cobb-Winkel)
Regelmäßige Kontrollen und gezielte Krankengymnastik, idealerweise nach Schroth oder vergleichbaren spezialisierten Methoden. Tägliches Üben zu Hause ist ein wesentlicher Bestandteil der Therapie.
Mittelschwere Skoliose (20-45°)
Zusätzlich zur Physiotherapie wird eine Korsettversorgung (Cheneau-Korsett oder vergleichbar) empfohlen. Das Korsett wird individuell angepasst und sollte in der Regel 20-23 Stunden täglich getragen werden.
Schwere Skoliose (über 45-50°)
In diesen Fällen kann eine operative Korrektur notwendig sein. Hierfür überweise ich an spezialisierte Wirbelsäulenzentren und begleite die Nachsorge.
Was können Eltern tun?
- Regelmäßige Haltungskontrolle – besonders während des Wachstumsschubs in der Pubertät
- Motivation zur täglichen Physiotherapie-Übungen
- Sportliche Aktivität fördern – besonders Rückenschwimmen ist hilfreich
- Kontrolltermine konsequent wahrnehmen
- Ergonomischer Arbeitsplatz für Schulkinder