Kinder und Jugendliche sollen sich bewegen – Sport ist wichtig für die körperliche und geistige Entwicklung. Doch der wachsende Körper reagiert anders auf Belastung als der eines Erwachsenen. In meiner Praxis behandle ich sowohl akute Sportverletzungen als auch Überlastungsbeschwerden bei jungen Sportlerinnen und Sportlern.
Besonderheiten des wachsenden Körpers
Kinder haben offene Wachstumsfugen an den Knochen, die empfindlicher sind als Bänder und Sehnen. Deshalb kommt es bei Kindern eher zu Verletzungen an den Wachstumsfugen als zu den typischen Bänderrissen der Erwachsenen. Außerdem gibt es sogenannte Apophysen – knöcherne Ansatzpunkte von Sehnen, die über eine Knorpelfuge mit dem übrigen Knochen verbunden sind. Diese sind während des Wachstums besonders verletzlich .
Häufige Überlastungsbeschwerden
Morbus Osgood-Schlatter
Schmerzen unterhalb der Kniescheibe, typisch bei sportlich aktiven Jugendlichen (10-15 Jahre). Die Patellasehne reizt an ihrem knöchernen Ansatz am Schienbein.
Morbus Sever (Apophysitis calcanei)
Fersenschmerzen bei Kindern zwischen 8 und 13 Jahren, besonders bei Lauf- und Sprungsportarten.
Überlastungssyndrome am Fuß und Sprunggelenk
Häufig bei Ball- und Tanzsportarten.
Akute Sportverletzungen
- Verstauchungen und Zerrungen
- Prellungen
- Umknickverletzungen am Sprunggelenk
- Knochenbrüche (Frakturen)
- Verletzungen der Wachstumsfugen
Wann sollte ein Kind nach einer Sportverletzung zum Arzt?
- Bei starker Schwellung oder Bluterguss
- Wenn das Kind nicht mehr auftreten oder das Gelenk bewegen kann
- Bei sichtbarer Fehlstellung
- Wenn die Schmerzen nach 2-3 Tagen nicht deutlich besser werden
- Bei wiederkehrenden Beschwerden an derselben Stelle
Prävention
- Altersgerechtes Training ohne Überbelastung
- Ausreichende Erholungsphasen
- Gutes Aufwärmen vor dem Sport
- Passende Sportschuhe und Ausrüstung
- Vielseitige sportliche Aktivität statt einseitiger Spezialisierung
Häufige Fragen von Eltern
Mein Kind hat sich beim Sport verletzt – wann zum Arzt? +
Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll bei starker Schwellung, Bluterguss, Unfähigkeit aufzutreten oder das Gelenk zu bewegen, bei sichtbarer Fehlstellung, oder wenn die Schmerzen nach zwei bis drei Tagen nicht deutlich besser werden. Bei Kindern kann hinter scheinbar banalen Sportverletzungen eine Wachstumsfugenverletzung stecken, die besondere Aufmerksamkeit erfordert. Bei akuter Problematik kann es sinnvoll sein eine unfallchirurgische Notaufnahme aufzusuchen.
Was ist Morbus Osgood-Schlatter und wie lange dauert das? +
Morbus Osgood-Schlatter ist eine Reizung der Patellasehne an ihrem knöchernen Ansatz unterhalb der Kniescheibe am Schienbein – typisch bei sportlich aktiven Jugendlichen zwischen 10 und 15 Jahren. Die Überlastung führt zu Schmerzen, manchmal zu kleinen knöchernen Veränderungen oder einer prominenten Vorwölbung am Sehnenansatz. Die Beschwerden klingen meist mit dem Wachstumsabschluss vollständig ab. In der akuten Phase helfen Belastungspause, Dehnübungen, Kälteanwendung und gezielte Physiotherapie.
Wann darf mein Kind nach einer Sportverletzung wieder trainieren? +
Das hängt von der Verletzungsart ab. Wichtig ist: Die Belastung wird schrittweise wieder aufgebaut, nicht abrupt voll. Schmerzfreiheit in Ruhe, vollständige Beweglichkeit und gute Kraft sind die Mindest- Voraussetzungen. Eine zu frühe Rückkehr in den Wettkampfsport ist ein häufiger Grund für hartnäckige Folgebeschwerden – Geduld lohnt sich.
Sind Knochenbrüche bei Kindern schlimmer als bei Erwachsenen? +
Nein, im Gegenteil – Kinderknochen heilen meist deutlich schneller und besser als die von Erwachsenen, weil sie noch wachsen. Allerdings können Brüche durch die Wachstumsfuge besondere Aufmerksamkeit erfordern, weil sie die spätere Knochenentwicklung beeinflussen können. Deshalb gehört jeder Verdacht auf einen Bruch beim Kind ärztlich untersucht und ggf. geröntgt.
Wie kann ich Sportverletzungen bei meinem Kind vermeiden? +
Wichtig sind altersgerechtes Training ohne Überbelastung, ausreichende Erholungsphasen, gutes Aufwärmen und passende Sportausrüstung. Vielseitige Bewegung statt zu früher Spezialisierung schützt am besten – Kinder, die mehrere Sportarten betreiben, haben weniger Überlastungsbeschwerden. Achten Sie auf Schmerzsignale: Sie sind kein Zeichen von Schwäche, sondern wichtige Warnungen des Körpers.